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Freitag, 28. Juni 2013

Globalisierung /individuelle Kreativität

Nach einem grüblerischen Abend folgt ein nachdenklicher Morgen.
Ich hoffe, Ihr alle versteht die folgenden Zeilen nicht falsch: es geht mir nicht darum, andere herabszusetzen oder ihre Kreativität in Frage zu stellen. Ich beobachte und resümiere, mehr nicht.

Gibt es im kreativen & gestalterischen Bereich eigentlich auch so etwas wie "Globalisierung?" 
So stand die Frage gestern im Raum, nachdem ich mich über eine Beobachtung ausgelassen habe, die - bei aller Niedlichkeit und "Oh-wie-schön"-Rufen eigentlich eine tragische ist, zumindest in meinen Augen.

Ich nehme mal das Beispiel: "Shabby Schick"
Schlendert man durch die Innenstädte auch noch so kleiner Städte: sie schiessen aus dem Boden, die Läden für "dänische" Wohnkultur und Shabby-Schick. Wie Pilze auf meiner dauerfeuchten Sommerwiese. 
Und irgendwie gleichen sie sich in Aufbau und Angebot. Nichts sticht hervor, längst ist Nichts mehr besonders.

Genauso ist es bei den Blogs zum Thema, bei den Näherinnen, den Onlineshops, auf den jahreszeitlich bedingt übermässig viel stattfinden "Kunsthandwerkermärkten": man sieht überwiegend das Gleiche, egal, wohin man geht! 

Natürlich kann man definieren, dass sich das "nur" auf dieses Modethema "Shabby & Co" bezieht, aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Es trifft auch andere Bereiche. Auch uns faserige Kunsthandwerkerinnen trifft es.

Aber ich bleibe dabei, denn dieses Beispiel ist für alle nachvollziehbar.
Durch das Überangebot und  das seltene Herausstechen des Besonderen wird zum einen natürlich eine Müdigkeit hervorgerufen, zum anderen wird die Wertigkeit eines jeden Produktes herabgesetzt. Preisdrückerei folgt, für die, die wirklich ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen, ein Desaster. Für die, die ihr "Hobby" so leichter finanzieren, ein Gewinn. 
Die meisten Kunden orientieren sich natürlich am günstigen Preis.
So dreht sich die Spirale nach unten... endlos.
Viel beunruhigender finde ich aber die Tatsache: egal wo auf der Welt Du dich befindest: es gibt immer einen Shabby-Laden,  genau so wie es das "Blau-Gelbe-Möbelhaus" überall auf der Welt gibt. Mit demselben Angebot. Einheitlich.

Ich finde das unendlich schade, ich sehne mich nach Individualität, nach Ausdruck, nach einer persönlichen Handschrift - nach dem Einzigartigen.

Wo ist die individuelle Kreativität und der Wunsch der Menschen nach dieser? Sind wir am Ende wirklich Lemminge?
© B. Mesterheide 2013